Manchmal beginnt Veränderung nicht mit einem großen Entschluss, sondern mit einer Entscheidung an einem Montagabend. Schuhe aus, Matte betreten, verbeugen. Ruhe. Konzentration. Präsenz. Genau so beginnt das Training in der Ninjutsu Abteilung im Sporthaus des ATS Buntentor.
Doch was erwartet einen dort wirklich?
Ninjutsu ist eine klassische japanische Kampfkunst, deren Wurzeln mehrere hundert Jahre zurückreichen. Anders als viele moderne Kampfsportarten ist sie kein Wettkampfsystem mit Punkten und Pokalen. Sie ist ein strategisches Bewegungssystem, das darauf ausgelegt ist, mit möglichst wenig Kraft möglichst effektiv zu handeln.
Im Training werden natürliche Bewegungen verfeinert. Gleichgewicht wird gebrochen, ohne grobe Gewalt. Angriffe werden nicht frontal geblockt, sondern intelligent umgelenkt. Das Prinzip ist einfach und zugleich tiefgründig: Nutze Struktur statt Kraft, Timing statt Tempo, Klarheit statt Aggression.
Gerade für Erwachsene zwischen 16 und 45 Jahren ist das besonders interessant. Viele kommen mit dem Wunsch nach mehr Selbstsicherheit. Andere suchen einen Ausgleich zum Büroalltag. Wieder andere möchten eine authentische japanische Kampfkunst kennenlernen, die nicht aus dem Fitnessstudio, sondern aus einer gewachsenen Tradition stammt.
Die in Bremen unterrichteten Inhalte wurden direkt aus Japan übernommen und über viele Jahre hinweg hier aufgebaut und etabliert. Dabei steht nicht die Person im Mittelpunkt, sondern die Kunst selbst. Respekt vor der Tradition und saubere technische Arbeit prägen jede Einheit.
Das Training findet montags und freitags ab 19:30 Uhr im Sporthaus des ATS Buntentor statt. Geübt werden Fallschule, Hebeltechniken, Würfe, Bodenkontrolle sowie klassische Bewegungsformen. Ergänzend fließen Elemente des traditionellen JuJutsu mit ein, wodurch ein vielseitiges und realistisches Selbstverteidigungssystem entsteht.
Besonders beeindruckend ist die persönliche Entwicklung der Teilnehmer. Konzentration verbessert sich. Körperhaltung verändert sich. Die eigene Ausstrahlung wird ruhiger und klarer.
Ein sichtbares Zeichen dieser Entwicklung waren die Prüfungen am 3. März im Sporthaus des ATS Buntentor. Dr Francisco da Rocha und Michael Greff stellten sich der Herausforderung zum 8 Kyu Grad im Ninjutsu. Beide überzeugten mit sauberer Technik, kontrollierten Bewegungen und starkem Fokus und erreichten 80 Prozent der Gesamtbewertung. Eine Leistung, die den kontinuierlichen Trainingsweg widerspiegelt.
Ninjutsu ist keine kurzfristige Modeerscheinung. Es ist eine Schule der Aufmerksamkeit und der inneren Stärke.
Wer diese besondere Atmosphäre selbst erleben möchte, ist herzlich eingeladen, montags oder freitags ab 19:30 Uhr vorbeizukommen und Teil dieser Gemeinschaft zu werden.
Trainingszeiten Ninjutsu: Kommt gerne vorbei:
montags ab 19:30 bis 21:30 Uhr
freitags ab 19:30 bis 21:30 Uhr
samstags ab 15:00 bis 17:00 Uhr (nur nach Ansprache)
Sporthaus Kornstraße 157
Dojo im 3. Stock
Trainer und Ansprechpartner:
Thorsten Ritz
Tel. 0163-7382175
Mail: ninjutsu(at)atsbuntentor.de
Ninjutsu
Ninjutsu: Wort- bzw. Silbenbedeutung:
忍 Nin 1 (jap) Men (auch Jin, Hito)
忍 Nin 2 (jap) Menschenliebe, Menschlichkeit, Güte (auch Jin)
忍 Nin 3 (jap) Pflicht, Aufgabe, Amt, Shunin-verantwortlicher Leiter, Shinin-Vertrauen, Konin-Nachfolger, Ninmu-Aufgabe
忍 Nin 4 erdulden, erleiden, ertragen, Ausdauer, Beharrlichkeit
Weitere Bedeutungen für die Silbe Nin sind: Mensch, Menschenliebe, Menschlichkeit, Güte, Pflicht, Aufgabe, Amt, erdulden, aushalten, verstecken, vermeiden, ertragen, grausam, brutal
Ein Ninja (jap. Shinobi no Mono) ist ein Meister der Verschleierung und der Heimlichkeit. Diesen Namen schuf „Shotoku Taishi“ in der Asakusa Periode im Jahre 593. Die Person ist in Japan u. a. auch dafür bekannt, dass er den Buddhismus dort verbreitete.
Die Japanische Bezeichnung Shinobi setzt sich aus drei Teilen zusammen: Tür oder Spalt (jap.Shi) Experte oder Profi (jap.No) und Information (jap. Bi) SHINOBI. Aus diesem Ursprung entwickelte sich der Name Ninja seit 2300 v.Chr., während der Regierungszeit des Kaisers „Fukki Shinno“ und des Kaisers „Kotei“. Weitergehend während der Regierung des Kaisers „Ken-en Tei“ um 1900 vor Christi, bis hin zu den Frühlings- und Herbstannalen von 722-481 v.Chr.
In diese Zeit wurden die Ninja als „Kan“ bezeichnet. Dies geht aus dem chinesischen Strategie Buch "Die Kunst des Krieges" von Sunzi hervor. Es nennt diese Agenten als wichtigsten Teil einer jeden Armee. Die chinesisch wörtliche Übersetzung von Lücke oder Spalt (chin.Kan) ist diese Silbe KAN. Betrachten wir den Befehl eines Agenten, durch einen Mauerspalt, einen Spalt im Dach oder durch einen Lüftungsschlitz im Zelt etwas zu beobachten, wenn der Feind seinen Plan ausarbeitet. Wenn dann der Agent durch diesen Spalt eindringt, um Pläne zu stehlen, dann hat diese Definition seine Bezeichnung erklärt.
Weitere Japanische Ninja Namen und Begriffe:
Shinobi : Agent der Heimlichkeit
Kusa: 1:1-Übersetzung für Gras, daraufhin deutend, dass sich jemand im Gras versteckt oder von klein auf trainiert ist, da zu sein, wenn man ihn braucht. Nicht zu verwechseln mit YAKUZA (893) Japanische Mafia.
Suppa, die die Information jagen und dann enttarnen.
Rappa, diejenigen die Fehlinformation verbreiten.
Toppa, diejenigen die zur Information oder zu einem Ort führen.
Onmitsu wortwörtlich übersetzt: Diejenigen, die still sind und verschwiegen.
Nindai (jap) Zeitalter der japanischen Mythologie seit 12. Februar 660 v.Chr.
Ningu (jap) so bezeichnet man die Werkzeuge eines Ninja, dazu zählen spezielle Waffen (Buki) sowie der Anzug des Ninja (Keikogi/ oder Shinobi-Shozoku)
忍者 Ninja - die korrekte Bezeichnung in Japan für dieses Wort ist ,,Shinobi-no-mono“!
Das Zeichen Nin setzt sich aus zwei radikalen Stücken zusammen. Der Obere Schriftzug bedeutet „Yaiba“ und kann 1:1 „den Weg für die Klinge bereitend" bedeuten. Der Untere Schriftzug bedeutet "Kokoro“ oder Shin, was übersetzt Herz bedeutet. Das Symbol Nin wird wie schon gesagt auch geschrieben, um Nintai zu schreiben, was Ausdauer, Beharrlichkeit, Geduld bedeutet.
Hierzu gibt es eine passende Beschreibung aus dem „Bansenshukai", was wörtlich übersetzt bedeutet: „Alle Flüsse münden in das Meer“; siehe Quellentext im 10-teiligen Band:
Wenn du das Lager eines Feindes in gefährlicher Mission betrittst, muss dein Herz hart, kalt und scharf wie die Klinge eines Schwertes sein. Wenn das Herz weich und schwach ist, sobald du einem Gegner gegenüberstehst, wird Panik folgen und die Mission wird scheitern. Ist das Herz unsicher, kann der Feind ganz einfach diese Unschlüssigkeit sehen. Diese Situation wird dich nicht nur dein Leben kosten, sondern auch das deiner Familie und das deines Anführers kosten, und gegebenenfalls sogar dein Land in Gefahr bringen.
Ein Ausübender des Ninpo muss die Art von Herz haben, das schneidet sobald es berührt wird, und das wie die Schneide eines scharfen Schwertes, das frei ist von Verunreinigungen, scharf und kalt ist, um die Feinde in ständiger Alarmbereitschaft zu halten.
Das Bansenshukai beschreibt, dass die Kombination von Ausdauer und Demut als (jap. Ninniku Seishin) ein grundlegender Bestandteil eines jeden Ninja-Kriegers (jap. Shinobi no Mono) sein sollte, sowie ebenfalls ein reines Herz.
Die Definition Ninpo & Ninjutsu
Den Begriff Ninpo gibt es seit dem 19. Jahrhundert. Die verbinden die meisten Menschen die Kunst der Ninja mit dem Begriff Ninjutsu und verbinden damit eine von der Hollywood-Film-Industrie geprägte Batman-Figur mit Super-Kräften, oder einen schwarz gekleideten Meuchelmörder, der in einer Rauchwolke verschwindet. Die meisten Kampfsportarten enthalten das Ideogramm Weg (jap Do) wie z.B. Aikido, Judo, Kendo, Taekwondo, Hap Ki Do, Karate-Do, Iaido, Kyudo usw.
In Bezug auf Ninpo wird dieses Ideogramm nicht benutzt. Stattdessen wird Ho oder Po gesprochen beziehungsweise verwendet. Warum? Ho oder Po wird in vielen Religionen verwendet wie zum Beispiel „Das Gesetz Buddhas" (jap. Buppo). Die eigentliche Bedeutung von Po in der japanischen Sprache bedeutet ewige Wahrheit. Das Wort Ninpo nutzt Po, weil es eine tiefgehende, teilweise religiöse Komponente besitzt. Durch diese zwei Silben und Aspekte NIN & PO wird es erst erfolgreich.
Die Kampfkunst (jap. Bumon) und die spirituelle Komponente (jap. Shumon) beides wird durch diese Schreibweise vereint. Bildlich ist die rechte Hand „Bumon“ und die linke Hand „Shumon“; beide gehören zusammen zu einem intakten und ausgeglichenen Körper, sowohl physisch als auch psychisch. Dies ist vergleichbar mit der chinesischen Philosophie des Yin & Yang.
Begriffe wie Do und Ho oder Jutsu haben Unterschiedliche Bedeutungen, die man am besten versteht, wenn man sich einen Berg vorstellt. Jutsu oder Do zeigt einem verschiedene Wege auf, den Berggipfel zu erreichen. Einige sind schwer, einige angenehm, einige sehr lang. Do ist auch keine Besonderheit in der japanischen Sprache oder in den Kampfsportarten; man findet diese Silbe auch in anderen Kulturbereichen Japans wieder wie z.B. Tanz, Musik, Malerei oder der Tee-Zeremonie (jap. Cha-Do). Es ist schwer jemanden zu finden, dem es geglückt ist, den Gipfel des Berges zu erreichen. Aber wenn man ihn einmal erreicht hat, wo soll man hingehen?
Ho oder Po kann man sich wie eine vorbeiziehende Wolke am Himmel über dem Berg vorstellen. Ninpo-Schüler reisen auf dieser Wolke und genießen die Zeit im Einklang mit der Natur und „leben ewig". Das chinesische Zeichen Ho setzt sich aus zwei Teilen zusammen: Der erste Teile bedeutet Wasser (chin. Sanzui); der zweite Teil bedeutet hervorgehen (chin. Saru). Bei tiefgehender Betrachtung beschreibt es den Kreislauf des Wassers. Von den Wolken am Himmel fällt das Wasser auf den Berg, fließt hinunter ins Tal und wird zum Fluss, der in Meer fließt. Dort scheint die Sonne, das Wasser steigt empor und wird wieder zur Wolke. Dieses endlose Gesetz des Wasserkreislaufs ist das, was Ho meint.
Im antiken Sanskrit Indiens hieß Ho „Darum". In Indien existiert die berühmte Personifizierung der ewigen Wahrheit Daruma.
Ein erleuchteter Krieger wird sich niemals nur mit dem Do-Prinzip zufrieden geben. Sein Ziel ist es die ewige Wahrheit zu verstehen, mit den Naturgesetzen im Einklang zu leben und seine Kampfkunst vollständig zu entwickeln.
Deshalb sollte Ninpo Bugei auch niemals NINDO oder nur als NINJUTSU benannt werden, sondern als Ninpo Bugei betitelt werden. Diese uralte Kampfkunst bleibt, wie der Regen immer in Bewegung, und somit immer frisch.
Jinsei Yōshin ryu ist eine traditionelle japanische Kampfkunst deren Wurzeln mit hoher Wahrscheinlichkeit tief in die kriegerische Epoche der Sengoku Zeit zurückreichen. Die Entstehung wird auf den 15 April 1574 in der heutigen Präfektur Gifu datiert also in eine Phase intensiver militärischer Auseinandersetzungen während der Azuchi Momoyama Periode. Die Region Mino rund um die damalige Burg Gifu war strategisch von enormer Bedeutung und stand im Einflussbereich von Oda Nobunaga dessen Reformen und militärische Innovationen Japan nachhaltig prägten. In genau diesem Umfeld entstand vermutlich ein kompaktes Nahkampfsystem das nicht für Vorführungen oder Duelle gedacht war sondern für das unmittelbare Überleben im Gefecht. Der Name Yōshin bedeutet Herz der Weide und beschreibt das zentrale Prinzip dieser Schule nämlich das Nachgeben ohne zu brechen. Jinsei lässt sich als Lebensweg übersetzen was deutlich macht dass diese Kunst nie nur Technik war sondern eine Haltung gegenüber Gefahr Verantwortung und innerer Stabilität. Die technischen Wurzeln reichen sehr wahrscheinlich bis zu sechshundert Jahre zurück da viele Prinzipien aus dem mittelalterlichen Kumiuchi stammen also aus jenen Nahkampfformen die Samurai in Rüstung praktizierten wenn Speer und Schwert nicht mehr eingesetzt werden konnten. Im Zentrum stehen Griffarbeit Kontrolle der Körperachse Atemführung unter Druck sowie gezielte Angriffe auf Schwachstellen der Rüstung. Während andere Linien wie Takagi Yōshin ryu ihren Schwerpunkt stärker auf Hebelmechanik und strukturelle Kontrolle legten blieb Jinsei Yōshin ryu kompromisslos auf die Realität des ersten Zusammenstoßes ausgerichtet also auf jenen Moment in dem zwei Körper mit voller Entschlossenheit aufeinandertreffen. Überlieferungen innerhalb der Tradition berichten dass diese Lehre ursprünglich nur einer kleinen Elite von besonders vertrauenswürdigen Samurai zugänglich war die im Umfeld hochrangiger Gefolgschaften dienten. Diese Krieger wurden innerhalb mündlicher Linien als Kuro Tetsu no Kage bezeichnet als Schatten aus schwarzem Stahl was ihre Aufgabe widerspiegelt nämlich diskrete Operationen innere Burgsicherung und unmittelbare Neutralisation in Extremsituationen. Der Zugang erfolgte nicht öffentlich sondern durch Loyalität Eid und persönliche Empfehlung. Im zwanzigsten Jahrhundert wurde die Linie durch Katsumasu Yamamoto systematisiert der als Soke bis zu seinem Tod im Jahr 2000 die technischen Überlieferungen ordnete und strukturierte. Heute wird Jinsei Yōshin ryu von Thorsten Ritz weitergeführt der die Schule mit großem Respekt vor ihren historischen Wurzeln leitet und ihren Charakter als ernsthafte traditionelle Kampfkunst bewahrt. Im Kern bleibt die Botschaft zeitlos denn wahre Stärke zeigt sich nicht im Widerstand sondern in der Fähigkeit sich dem Druck anzupassen ohne die eigene Mitte zu verlieren genau wie die Weide die sich im Sturm beugt und danach wieder aufrichtet.